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Unfallanalyse

Woran erkennt man eigentlich einen guten Motorradfahrer ???
Die Antwort ist sehr einfach.
Ein guter Motorradfahrer, ist ein lebender Motorradfahrer !!!

Ihr alle kennt bestimmt den Spruch:
MOTORRADFAHRER TÖTEN NICHT, SIE WERDEN GETÖTET !!!

Viele Biker reden sich mit diesem Spruch heraus, wenn es mal wieder einen von uns erwischt hat.

Tatsache ist, dass außerhalb geschlossener Ortschaften 60% der Kollisionen zwischen Motorrad und PKW von PKW-Fahrer verursacht werden. Innerorts sind es sogar 75%.

Wenn man nur die Zahlen betrachtet, mag der Spruch auf den ersten Blick auch richtig sein.

Viele wollen allerdings nicht wahr haben, dass ca. 80% der Unfälle zwischen PKW und Motorrad, an denen der Autofahrer rechtlich Schuld ist, durch den Motorradfahrer noch hätten verhindert werden könnten.

Das Problem liegt also nicht nur bei den Autofahrern, sonder auch bei uns!
Hier möchten wir auf die häufigsten Unfallursachen eingehen und Tipps zur Vermeidung geben.

Für Fahranfänger ist dieser Bereich besonders wichtig, da die meisten schweren Unfälle von Motorradfahrern in den ersten zwei Jahren nach Erwerb der Fahrerlaubnis passieren.
Das Gefühl von Freiheit, Unabhängigkeit und Tempo fasziniert so ziemlich jeden Motorradfahrer.
Doch das Risiko wird dabei leider oft außer acht gelassen, denn Motorradfahrer sind die am meisten gefährdetsten motorisierten Verkehrsteilnehmer.
Da sie bei einem Unfall fast ungeschützt sind, verwundert es auch nicht, dass das Verletzungsrisiko siebenmal höher ist als bei den übrigen Verkehrsteilnehmern.

Deshalb sollte man immer folgenden Grundsatz beherzigen:

Motorradfahren ist eine Sache des Gefühls, aber wer sich beim Fahren allein von Gefühlen leiten lässt, der fährt mit verringerter Selbstkontrolle.

Ein gesundes Maß an Mißtrauen gegenüber allen anderen Verkehrsteilnehmern sollte übrigens auf immer mit dabei sein. Das soll jetzt aber auch nicht heißen, dass man Angst haben soll. Angst ist ein schlechter Beifahrer.

Denk einfach immer daran, dass ALLE Menschen Fehler machen.

 

Seit Jahren bleiben die Gründe für Unfälle weitgehend gleich.

31% der Unfälle befinden sich im Kreuzungsbereich, wobei der Motorradfahrer als Bevorrechtigter von links kommt.
Kommt der Motorradfahrer von rechts liegt die Zahl "nur" noch bei 11%.
Der Anteil der Unfälle, bei denen der Motorradfahrer von einem entgegenkommenden, linksabbiegenden Pkw übersehen wird, liegt bei 26%.
Bei 9% der Unfälle wendet der Pkw und 2% der Motorradfahrer werden von einem überholenden Pkw übersehen.
Dagegen stehen allerdings 11%, bei denen der Motorradfahrer den Pkw übersehen hat.
5% sind begegnende Fahrzeuge (z.B. in Kurven).

Ein zentraler Punkt der Unfallursachen ist die meist mangelnde Sichtbarkeit der Motorradfahrer zusammen mit zu wenig Mißtrauen gegenüber anderen.

Wenn man allerdings beim Fahren IMMER damit rechnet, dass man von Anderen nicht gesehen wird und man auch schon nach dem richtigen "Fluchtweg" gesucht hat, kommt man (fast) immer gesund und munter wieder Zuhause an.
 
UnfallstatistikDas Institut für Fahrzeugsicherheit hat 1995 zu diesem Thema eine Studie herausgegeben, die wir hier auszugsweise Zitieren möchten: 
Wir wollen uns jetzt mal die Mühe machen, einen typischen Unfall zu analysieren.
Da sich der größte Teil der Unfälle durch einen nach links auf die Vorfahrtsstraße einbiegenden Pkw ereignet, nehmen wir dies mal als Beispiel.
Der Anteil der Unfälle, die im Ansatz eine Gefahrsituation aufweisen, wird dadurch gekennzeichnet, dass dem linksabbiegenden Pkw-Fahrer aber auch dem Motorradfahrer, die Sicht durch andere Fahrzeuge versperrt wird.
Dadurch wird scheinbar die Aufmerksamkeit gestört, denn in diesen Fällen übersieht der Pkw-Fahrer den ebenfalls von links kommenden Motorradfahrer, der aber geradeaus weiterfahren will. Es finden sich auch Fälle, in denen der Motorradfahrer sich gerade beim Überholen des Rechtsabbiegers befindet.
Diese Situation kann noch verschärft werden, wenn sich vor dem Motorradfahrer ein Kleinbus oder Lieferwagen befindet. Dieser versperrt die Sicht oft total.
Für den Motorradfahrer bedeutet dies, dass ein vor ihm fahrender Pkw, der langsamer wird und rechts abbiegen will, gleichbedeutend sein kann mit der Gefahr, dass aus der Straße, in die der Pkw einbiegen will, ein anderes Fahrzeug kommen kann, das den Motorradfahrer übersieht.
Der schuldige Pkw-Fahrer gibt in vielen Fällen an, dass der Motorradfahrer viel zu schnell gefahren ist und kein Licht eingeschaltet hatte. Durch die dann in der Regel durchgeführten Lampengutachten konnte aber in allen Fällen nachgewiesen werden, dass der Motorradscheinwerfer eingeschaltet gewesen war. Dies ist ein Hinweis darauf, dass der Motorradfahrer überhaupt nicht gesehen wurde und die Angabe zur Geschwindigkeit meist eine Schutzbehauptung war.
Einige zu dieser Gruppe zählenden Unfälle ereigneten sich an übersichtlichen Kreuzungen außerhalb geschlossener Ortschaften.
Bei einem anderen Teil der Unfälle war die Sicht auf den herannahenden Motorradfahrer durch tiefen Sonnenstand beeinträchtigt. Ebenfalls beeinträchtigt wird die Sicht auf den Motorradfahrer in Waldstücken wegen der hell/dunkel Zonen.

Kreuzungen und Einmündungen in diesem Bereich sind daher mit erhöhter Aufmerksamkeit zu durchfahren.

Bei den beobachteten Unfällen lag die Geschwindigkeit des Motorradfahrers zwar nie über der zulässigen Geschwindigkeit an dieser Stelle, dennoch lag sie immer am oberen zulässigen Bereich und hätte bei einer geringfügigen Reduzierung zu keiner Kollision geführt.
Auch eine Reaktion, um auf sich aufmerksam zu machen wie z.B. Lichthupe oder Hupe wäre in vielen Fällen schon ausreichend gewesen, den Pkw-Fahrer aus seiner Unkonzentriertheit zu holen. Bei keinem der beobachteten Fälle war aber in den Zeugenaussagen und sonstigen Informationen davon zu lesen.
Für den Pkw-Fahrer muss deutlich gemacht werden, dass nach einem einbiegenden Pkw, der die Sicht versperrt, die Wahrscheinlichkeit, einen nachfolgenden Motorradfahrer zu übersehen, drastisch ansteigt.
Auch die "Technik", in eine Vorfahrtsstraße einzufahren, kann verbessert werden. In vielen Fällen wurde nur mäßig beschleunigt bzw. zögerlich in die Kreuzung hineingefahren. Zügiges Einfahren, nachdem man sich von der Verkehrssituation überzeugt hat, verkürzt die Zeit, in der der Pkw als Hindernis auf der Fahrbahn des Motorradfahrers ist. Lieber etwas länger den Verkehr beobachten und schneller die Gefahrstelle passieren.
Aber vorsicht! Auch das Gegenteil einer zögerlichen Fahrweise kann auf eine drohende Konfliktsituation hinweisen. Jede zu forsche Annäherung an eine Kreuzung bei der davon ausgegangen werden muss, dass der Pkw-Fahrer u.U. abgelenkt ist, sollte vom Motorradfahrer mit Vorsicht beurteilt werden.

Zusammenfassung der Auffälligkeiten

Bei der Betrachtung der Unfalltypen lassen sich Verhaltensweisen oder Auffälligkeiten finden, die für mehrere Unfallsituationen zutreffen können und als Alarmsignal für eine drohende Situation anzusehen sind.

Verhaltensweisen des Unfallgegners

Zögernde Fahrweise, also

  • nicht konsequentes Überqueren einer Kreuzung
  • Anfahren und wieder Anhalten beim Einfahren in eine Vorfahrtstraße
  • Versuch eines Spurwechsels, wobei die Fahrspur nicht vollständig gewechselt wird.

Alle diese auf Unsicherheit hinweisenden Verhalten eines Pkw-Fahrers müssen für den Motorradfahrer eine erhöhte Alarmbereitschaft auslösen.
Reaktionslose Fahrweise des Pkw-Fahrers, d.h.

  • Annähern an eine Kreuzung ohne Reduzierung der Geschwindigkeit,
  • Beginn eines Abbiegevorgangs trotz erkennbarer Annäherung eines Motorradfahrers
  • Jede kontinuierliche Geschwindigkeit, die im Widerspruch mit der Verkehrssituation steht ist mit erhöhter Vorsicht zu behandeln. In den meisten Fällen ist hier Unaufmerksamkeit oder Ablenkung die Ursache.

Point of no Return

In Zusammenhang mit den erwähnten auffälligen Fahrweisen des Pkw-Fahrers ergibt sich das Phänomen des "Point of no Return". Dahinter verbirgt sich folgende Reaktion des Motorradfahrers.
Er sieht die auffällige Fahrweise des Pkw und bewertet sie als vorübergehende Störung des Verkehrsablaufes, die sich aber wieder gibt wenn er die Stelle passiert. Der Motorradfahrer ändert daher seine Fahrweise nicht. Der Pkw-Fahrer, der aus Unaufmerksamkeit zögert oder kontinuierlich weiterfährt, ändert seine Fahrweise auch nicht.

Es kommt daher im weiteren Verlauf der Annäherung der beiden Fahrzeuge ein Moment, in dem weder der Pkw-Fahrer noch der Motorradfahrer in den Verlauf der nun zeitlich begrenzten Möglichkeiten eingreifen können.

In den meisten Fällen erfolgt dann eine Notbremsung des Motorradfahrer, die aber leider mit der Kollision gegen den Pkw endet.

Gegenmaßnahmen des Motorradfahrers

Welche Maßnahmen können diesen Ausgang verhindern?

Sieht man sich das Verhalten des Motorradfahrer an, so bieten sich nur drei mögliche Erklärungen an:

  1. grenzenloses Vertrauen in die eigene Vorfahrt
  2. Sorglosigkeit oder Unaufmerksamkeit
  3. Sturheit oder Absicht.

Könnte man bei Pkw-Fahrern noch zu der Ansicht kommen, dass das Bestehen auf die Vorfahrt mit Absicht geschiet und damit billigend in kauf genommen wird, dass es zu einem Unfall kommt, kann dies bei einem Motorradfahrer mit Sicherheit verneint werden. Für einen Zweiradfahrer bedeutet jeder Unfall eine direkte Gefahr für eine Verletzung und aus diesem Grund wird eine absichtliche Vorfahrtserzwingung nicht im Vordergrund stehen.

Bleibt also nur Gedankenlosigkeit oder zu großes Vertrauen.

Das blinde Vertrauen in die Vorfahrt, das bei einem Pkw oft nur zum Blechschaden führt, bedeutet für den Motorradfahrer oft eine monatelange Heilbehandlung seiner Verletzung.

Vorausschauendes Fahren

Eine weitere generelle Fahrweise, die helfen kann Situationen, die zu einem Unfall führen können, frühzeitig zu erkennen, läßt sich unter dem oberbegriff "Vorausschauendes Fahren" aus dem Unfallmaterial ableiten.

Den Verkehr, vor dem vor ihm fahrenden Pkw zu beobachten, kann für einen Motorradfahrer sehr viel leichter geschehen als für einen Pkw-Fahrer. Durch seine höhere Sitzposition kann er über das Pkw-Dach blicken und in vielen Fällen die Situation einige Fahrzeuge voraus erkennen.
Für die Situationen, bei denen ein linksabbiegender Pkw oder das Fahrzeug, das von der Parkbucht auf die Fahrspur wechseln will, frühzeitig erkannt weden muß, kann durch diese höhere Sitzposition für den Motorradfahrer vorteilhaft sein.

Als Zusammenfassung lassen sich für ein unfallfreies Motorradfahren drei Regeln aufstellen die, wenn sie befolgt werden, mit Sicherheit einige "gefährliche Begegnungen" entschärfen.

Der Motorradfahrer wird übersehen oder falsch eingeschätzt

Vorfahrt

  • nie auf eigene Vorfahrt vertrauen
  • mit den Fehlern der Pkw-Fahrer rechnen

Der Motorradfahrer wird übersehen

Erkennbar fahren

  • Licht
  • Lichhupe oder Hupe
  • dynamisches Fahren
  • Randbedingungen beachten
  •  

Die Situation ist unklar

Reagieren

  • Gas wegnehmen
  • Bremsbereit sein
  • lieber 100 mal umsonst, als einmal zu spät

ÜBERHOLEN / ÜBERHOLWEG

Fehler beim Überholen stehen in der Statistik der Unfallursachen sowohl der Anzahl als auch der Schwere nach seit vielen Jahren mit an der Spitze. Überholunfälle haben meist schwere Folgen für Fahrer und Fahrzeug. Dies liegt daran, dass es sich meistens um Zusammenstöße mit dem Gegenverkehr oder Abkommen von der Fahrbahn handelt.

Überschätze nie die Entfernung des Gegenverkehrs!
Unterschätze nie die Geschwindigkeit des Gegenverkehrs!

Bei schlechten Fahrbahnverhältnissen sollte grundsätzlich nicht überholt und während des Überholens nicht durchgehend beschleunigt werden, sondern nur dann, wenn das Fahrzeug sich auf einer Geraden befindet. Beim Ein- und Ausscheren sollte durch die Wahl großer Radien die Fliehkraft gering gehalten werden.
Falls es doch mal zu einem Unfall kommt, ist es sehr wichtig richtig zu reagieren.
Während die „passive Sicherheit" im Automobilbau erhebliche Fortschritte gemacht hat, stößt sie beim Motorrad sehr schnell an fahrzeugbedingte Grenzen. Knautschzonen, Sicherheitsgurte, Kopfstützen und Sicherheitslenkung existieren beim Motorrad nicht.
Die erhöhte Verletzungsgefahr kann auch durch Schutzkleidung nur teilweise aufgefangen werden. Airbag-Lösungen für das Motorrad haben bisher zu keinem Erfolg geführt. Crash-Tests haben bewiesen, dass beim Seitenaufprall in aufrechter Sitzposition der Kopf des Motorradfahrers fast immer gegen die Dachkante des Pkw schlägt. Schlimmer wird es noch, wenn der Motorradfahrer in Sportfahrerhaltung auf seiner Maschine sitzt. Sehr schwere Verletzungen sind in der Regel die Folge, da der Körper mit großer Wucht auf das Fahrzeug aufschlägt.
Dies kann nur durch das "Überfliegen" des Hindernisses verhindert werden.

Überfliegen
In Versuchsreihen konnte bewiesen werden, dass es dann am besten ist, das Hindernis zu „überfliegen". Das bedeutet: Vor dem Aufprall muss versucht werden, die Flugrichtung des Körpers so zu beeinflussen, dass ein Einklemmen zwischen Motorrad und Auto verhindert und der Kopfaufprall auf die Dachkante vermieden wird.
Mehr dazu im Bereich Mentales Training